Wir stellen vor: Das Kurzzeitkennzeichen und sein Nutzen für Motorradfahrer

Es ist fast jedes Jahr das Gleiche: Kaum gibt es den ersten Sonnenschein und trockene Straßen, strömen die ersten Exil-Motorradfahrer zu ihren Maschinen, um die Winterfesseln der Zweiräder zu sprengen. Die ersten Ausflüge werden unternommen – das Auto darf erst im Winter wieder auf Aufmerksamkeit hoffen.

Nun gibt es jedoch Situationen, in denen Zweibeiner und Zweirad nicht direkt zueinander finden können. Beispielsweise dann, wenn das Bike erst noch gekauft werden muss. Oder wenn die über den Winter durchgeführten Anpassungen erst noch getestet werden müssen, bevor sie dann dem Sachverständigen die Zornesröte ins Gesicht treiben.

In diesem Falle lohnt sich der Griff zum Kurzzeitkennzeichen. Das ist ein Nummernschild, mit dem Otto Normalverbraucher ein Fahrzeug (Anzahl der Reifen spielt so gut wie keine Rolle) überführen darf. Außerdem sind Prüfungs- und Probefahrten erlaubt. Der große Vorteil: Die Zulassung gelingt schnell, die Kosten halten sich im Rahmen und es ist kein TÜV notwendig. Einzig und alleine die Sicherheit im Straßenverkehr darf nicht gefährdet werden.

Wie sieht das Kurzzeitkennzeichen aus und was kostet es?

Das Kurzzeitkennzeichen unterscheidet sich nur geringfügig von gewöhnliche Motorradkennzeichen. Anstelle des blauen Euro-Randes gibt es einen gelben Rand, der sich auf der rechten Seite des Kennzeichens befindet. In diesem sind drei Zahlen vermerkt, die das Ablaufdatum des Kurzzeitkennzeichens angeben. Von oben nach unten gelesen: Tag, Monat, Jahr. Das bedeutet: Stehen dort die Ziffern 03, 05 und 14, so ist das Kennzeichen bis zum 03.05.2014 um 23:59 Uhr benutzbar. Danach darf sich das Motorrad nicht mehr auf öffentlichen Straßen oder Parkplätzen befinden, weil die Zulassung erloschen ist.

Voraussetzung für die Zulassung eines Kurzzeitkennzeichens ist eine sogenannte Kurzzeitkennzeichen Versicherung. Diese kann entweder von der eigenen Versicherungsgesellschaft ausgestellt oder aber bei Schilderläden (teuer) und im Internet (günstig) gekauft werden. Wir haben recherchiert und empfehlen Ihnen, die Kurzzeitkennzeichen Versicherung hier zu bestellen. Auf Anfrage wurde uns mitgeteilt, dass die Versicherung für Motorräder bald als separates Produkt bestellbar ist.

Welche Versicherungen stecken in einer solchen Police?

Die Versicherung für Kurzzeitkennzeichen enthält standardmäßig ausschließlich eine Haftpflichtversicherung. Das beruht zum größten Teil auf der Tatsache, dass bei Versicherungsabschluss kein Fahrzeug angegeben werden muss (Mehr dazu im nächsten Absatz). Wer eine Kasko-Versicherung benötigt, muss seine Kfz-Versicherung kontaktieren. In vielen Fällen kann diese eine eVB mit Kaskoschutz ausstellen. Das hat jedoch einen großen Haken: Sie können das Kurzzeitkennzeichen nun ausschließlich für ein vorgegebenes Fahrzeug verwenden. Wer sich noch gar nicht sicher ist, welches Motorrad er letztendlich kaufen und zulassen möchte, hat damit also schlechte Karten.

Die Deckungssummen der Haftpflichtversicherung werden von großen Versicherungsgesellschaften zur Verfügung gestellt. Sie liegen in Europa in der Regel sowohl bei Sach- als auch bei Personenschäden im siebenstelligen Bereich. Das bedeutet: Das Kurzzeitkennzeichen kann theoretisch auch im Ausland genutzt werden. Allerdings gibt es hier wiederum Einschränkungen, über die die ITS beispielsweise in den Länder-Ratgebern informiert. So ist es beispielsweise in Frankreich oder Tschechien verboten, ein deutsches Kurzzeitkennzeichen zu benutzen.

Vorsicht ist auch dann geboten, wenn der Versicherungsgeber einen unseriösen Eindruck macht. Es tauchten in der Vergangenheit immer wieder Erfahrungsberichte auf, in denen die Schadensabwicklung der Versicherung stockend oder gar nicht funktionierte. Die Empfehlung geht dahin, lieber ein oder zwei Euro mehr zu investieren, als später aufgrund mangelnder Seriosität Probleme zu bekommen.

Der rote Fahrzeugschein und sein Sinn

Beantragen Sie ein Kurzzeitkennzeichen, erhalten Sie im Anschluss das Nummernschild sowie einen roten Fahrzeugschein. In diesem befinden sich lediglich die Daten und Unterschriften der Zulassungsstelle sowie Ihr Name und Ihre Anschrift. Die Felder für die Fahrzeugdaten sind frei und können von Ihnen ausgefüllt werden.

Das heißt: Sie besitzen eine Zulassung für ein x-beliebiges Motorrad, die maximal fünf Tage lang besteht. Haben Sie die richtige Maschine gefunden, übernehmen Sie die Daten aus der Zulassungsbescheinigung Teil II und bestätigen die Angaben mit Ihrer Unterschrift. Wichtig: Benutzen Sie dabei einen permanenten Stift. Einträge mit Bleistift sind ungültig, weil das Kennzeichen nur ein einziges Mal zur Zulassung verwendet werden darf.

Nachdem der Fahrzeugschein ausgefüllt wurde, darf das Kennzeichen montiert werden. Bitte beachten Sie hier, dass sich das verwendete Motorrad im abgemeldeten Zustand befinden muss. Doppelzulassungen sind ungültig.

Zusammenfassung und Kosten

Das Kurzzeitkennzeichen ist die ideale Möglichkeit, ein Motorrad zu testen oder zu überführen, wenn kein Hänger zur Verfügung steht. Man sollte lediglich darauf achten, dass es lediglich eine Haftpflichtversicherung dazu gibt. Die Kosten für Kurzzeitkennzeichen halten sich dabei jedoch im engen Rahmen. Für die Versicherung zahlt man etwa 35,- Euro bei einer Laufzeit von 5 Tagen. Die Kosten für die Zulassung liegen bei etwa 13,- Euro, können jedoch von Bundesland zu Bundesland variieren. Das Schild kostet ca. 15,- Euro. Somit gibt es die auch als Überführungskennzeichen bekannten Nummernschilder für etwa 60,- Euro.

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 10.0/10 (1 vote cast)
VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0 (from 0 votes)
Kurzzeitkennzeichen, 10.0 out of 10 based on 1 rating
Share →

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>